Häufiger werde ich gefragt, was denn genau ein Cochlea(r)
Implantat sei, welches ich trage. Hier nun, möchte ich hier
das Geraet für einen Nichtbetroffenen erklären:
Cochlea-Implantate sind künstliche Innenohren, mit denen ertaubte
und an Taubheit grenzend schwerhörige Menschen eine deutliche
Verbesserung ihres Hörvermögens erzielen können.
Es ersetzt die Funktion der Hörsinneszellen, indem es den
Schall über ein Mikrofon aufnimmt, in eine Abfolge von elektrischen
Impulsen umsetzt und diese über eine Elektrode auf die Hörnervenfasern
weitergibt. Die künstlichen elektrischen Impulse werden genauso
wie die natürlichen an die zentrale Hörbahn weitergegeben.
Das Cochlea-Implantat wird mit einem Elektrodenträger operativ
in den Knochen hinter dem Ohr eingesetzt. Die Elektroden bestehen
aus feinsten Einzeldrähten, die als Bündel in die Schnecke
(=Cochlea) hineinragen. Aussen am Kopf befindet sich die Sendespule
mit dem Mikrofon; am Ohr wie ein Hörgerät aussehendes,
welches den Schall in codierte Stromreize verwandelt. Sprachprozessor
und Kopfteil sind über ein kurzes Kabel verbunden. Die Voraussetzung
ist ein funktionsfähiger Hörnerv und eine operativ zugängliche
Hörschnecke. Die Sprachprozessoren gibt es bei den verschiedenen
Cochlea-Implantat-Firmen in mehreren Modellen.
Wichtig ist die Feststellung, dass fast alle ertaubten und an Taubheit
grenzend schwerhörigen Menschen von der Cochlea-Implantat-Technologie
profitieren. Der für die CI-Versorgung wichtige Hörnerv
ist in über 95% der Fälle ausreichend intakt. Häufig
leben taube Menschen jahrelang mit der Fehldiagnose „Hörnervenschaden”.
Dies ist in der Regel falsch; sogar bei Hirnhautentzündungen
ist der Hörnerv praktisch immer unberührt.
Schädigungsort ist stets die Hörschnecke, was für
eine CI-Versorgung kein Hindernis ist. Festgestellt werden kann
dies allein durch eine fundierte Untersuchung an einem Cochlea-Implantat-Zentrum.
Nach der Operation beginnt anschließend nach einer ca. 4-6
wöchiger Heilphase die Phase des Hörtrainings und der
Sprachtherapie. Wie bei einem Rennwagen kommt es darauf an, das
richtige Feintuning mit dem Patienten zu erarbeiten und das Implantat
auf die individüllen Empfindungen einzustellen.
Bei erwachsenen Menschen kann man mit einiger Vergröberung
annehmen, dass ca. 50% der Patienten mit CI wieder eine Telefonierfähigkeit
erreichen. Bei Kurzzeitertaubten liegt dieser Prozentsatz noch beträchtlich
höher. Für nahezu alle Patienten gilt dagegen, dass sie
in Verbindung mit dem Lippenlesen zu einem deutlich verbesserten
Sprachverstehen (mehr verstandene Wörter pro Sekunde) gelangen.
Bei Kindern sind die Erfolge durchschlagend in Bezug sowohl auf
Hörvermögen als auch in Erlangung der Lautsprachkompetenz.
Die Implantation sollte bei ihnen möglichst früh erfolgen,
Idealerweise bis zum Ende des 2. Lebensjahres.
Ich selbst trage 2 C.I. - das erste bekam ich 1990, innerhalb von
wenigen Wochen habe ich damit fast zu 95% Hörfähigkeit
erlangt. Selbst das Telefonieren mit Festnetz- sowie auch Handy
funktionierte. Das zweite C.I. bekam ich im Juni 2010, mit diesem
Gerät höre ich jetzt mittlerweile fast 80%. Im September
2012, wurde ich links re-implantiert, da mein 1990 implantiertes
Gerät einen technischen Defekt aufwies, welcher nicht mehr
reparabel war. Auf diesem Ohr höre ich jetzt fast bis zu 70%
(Stand 01/2013).
Nach 4 wöchiger Heilphase, begann meine 3-tägige
Reha, innerhalb von diesen 3 Tagen erlangte ich eine beidseitige
Hörfähigkeit von fast 90%. Mit dem rechts implantierten
Ohr telefoniere ich mittlerweile auch, links muss ich wieder ein
wenig üben, beidseits mit einem Headset telefoniere ich jetzt
fast wie vor der Re-Implantation. Viel tägliches Training,
Eigenleistung und Zielstrebigkeit wird hier abverlangt, jedoch der
Erfolg am Ende ist wirklich "berührend" in jeglicher
Hinsicht. |